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Addisons Lawyers

Kanzlei | Sydney, Australien

Meine Station in Australien ging von Januar bis März 2019. Vor meinem ersten Tag in der Kanzlei war ich aufgeregter als vor anderen Stationen. Eine Station im Ausland ist mit größeren Unsicherheiten verbunden. So wusste ich nicht, inwiefern ich als in Deutschland ausgebildeter Jurist überhaupt mithelfen kann und ob meine Sprachkenntnisse ausreichen würden. Die Aufregung wurde mir aber von den hilfsbereiten Kollegen schnell genommen. Am ersten Vormittag wurden mir die Büroräume gezeigt und die Kollegen vorgestellt. Die ersten Januarwochen sind in Australien etwas ruhiger, da die Gerichte um Silvester geschlossen haben und das betriebswirtschaftliche Geschäftsjahr in der Regel Anfang Juli beginnt. Deshalb waren einige der Kollegen, unter denen insgesamt ca. 60 Anwältinnen und Anwälte, noch verreist. Diejenigen, die im Büro waren, nahmen sich aber Zeit für ein kurzes Gespräch, waren freundlich und interessiert. Mir war neben meiner Ausbilderin Frau Dr. Yates ein jüngerer Anwalt als „Buddy“ zugewiesen. Aber noch am ersten Tag nahmen mich zwei weitere Kollegen mit in die Kaffeepause und gaben mir zu verstehen, dass ich mich mit jeglichen Fragen an alle Kollegen wenden könnte. Anschließend ging es direkt weiter mit der Einführung in das IT System.

Ab dann begann auch schon der Arbeitsalltag. Meine Arbeitszeiten waren grundsätzlich fünf Tage die Woche von 9 bis 17 Uhr. Meine Ausbilderin bemühte sich, mir spannende und abwechslungsreiche Aufgaben zu stellen. Als deutsche Volljuristin und erfahrene Referendarausbilderin konnte sie erwartungsgemäß gut einschätzen, bei welchen Aufgaben ich mich bestmöglich einbringen konnte. Die internationalen Mandate, unter anderem auch aus Deutschland, schafften einen guten Einstieg in die Arbeit und versetzten mich in die Lage, von Beginn an vollwertig mitzuhelfen. Dennoch habe ich auch zunehmend Mandate zum australischen Recht bearbeitet. Recht schnell gewöhnte ich mich daran, bei der Erfüllung meiner Aufgaben die auf Präzedenzfällen basierende Argumentationsweise, Recherche-Plattformen und australischen Register zu nutzen. Dabei stellten sich mir keinerlei Sprachbarrieren und ich merkte im Laufe der Zeit, wie sich mein schriftliches und gesprochenes Englisch weiterentwickelte. Sydney ist ein – auch im Berufsleben – derart international geprägtes Umfeld, dass man als Deutscher nicht stark auffällt. Dies stärkt auch das Selbstvertrauen, als in Deutschland ausgebildeter Jurist, in diesem Umfeld bestehen zu können. Meine Ausbilderin nahm sich Zeit, mir den Hintergrund der Aufgaben im Vorfeld zu erklären und gab anschließend Feedback, was für den Lernprozess zuträglich ist. Dabei baute sie keinen Druck auf und war zur Beantwortung von Rückfragen jederzeit bereit. Auch andere Anwälte haben mir Aufgaben gegeben, sodass ich mich über die gesamte Station als ein vollwertiges Mitglied der Kanzlei begriff.

Dazu trugen auch diverse Gruppen-Events bei. Jede zweite Woche gab es ein Team-Meeting, in dem aktuelle Entscheidungen oder Mandate diskutiert wurden und jeder einen kurzen Einblick in seine Arbeit gab. Zu den internen Fortbildungsveranstaltungen war ich ebenfalls immer herzlich willkommen. Unter anderem gab es monatlich ein „Professional Staff Briefing“, bei welchem zwei oder drei Anwälte einen rechtlichen Vortrag hielten. Freitagsabends gab es des Öfteren eine Afterwork-Runde, die mit Kaltgetränken das Wochenende einläuteten. Hierzu wurde der „Casual Friday“ tatsächlich auch ernst genommen, wenn keine externen Termine anstanden.

Als eines der Highlights der Station kann ich einen Neujahrsempfang der deutsch-australischen Handelskammer hervorheben, zu welchem meine Ausbilderin mich mitnahm. Dort wurden bei einer Hafenrundfahrt auf einem historischen Schiff Erfahrungen in lockerer Atmosphäre ausgetauscht. Außerdem empfahl meine Ausbilderin mir eine spannende Gerichtsverhandlung mit einer im deutschen Prozessrecht unüblichen Cross-Examination, bei der ich als Zuhörer teilnahm.

Zusammenfassend kann ich festhalten, dass ich gerne zur Arbeit gegangen bin. Auffällig fand ich die lockere Atmosphäre im Team trotz hoher Arbeitsbelastung. Vom Praktikanten bis zum Partner sprachen sich alle mit Vornamen an und waren für ein kurzes Gespräch über arbeitsbezogene oder private Themen offen.

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